Ausgabe Nr. 1 Jan./Feb. 2015

Editorial: Dr. Christian Wagner-Ahlfs
nicht nur Kinder bekommen Windpocken – das musste ich vor einigen Jahren am eigenen Leib schmerzlich erfahren. Ob eine Impfung sinnvoll ist, lesen Sie ab Seite 22. Und wer denkt, dass Männer häufiger an einem Schlaganfall sterben, liegt falsch.
Mit Gute Pillen – Schlechte Pillen für mehr Durchblick
Wenn Sie Ihre Tageszeitung aufschlagen, kann es passieren, dass Sie heute eine Information zum Thema Brustkrebs, Diabetes oder Antidepressiva lesen, der schon morgen im selben Blatt widersprochen wird. Im Hörfunk oder TV-Beiträgen ist es oft nicht besser: Da darf eine Pharmafirma ihre Studie hochjubeln, obwohl deren Ergebnisse einer Nutzenbewertung durch unabhängige Wissenschaftler nicht standhalten.
Hinsetzen und absetzen! Krankheits- und Pflegekosten können die Steuerlast senken
Steuererklärungen sind lästig. Wer hat schon Lust, am Wochenende Belege zusammenzukramen und Formulare auszufüllen. Doch die Mühe kann sich lohnen. Zum Beispiel sollten Sie unbedingt daran denken, Krankheits- und Pflegekosten geltend zu machen.
Schlaganfall bei Frauen Was sind die besonderen Risiken?
Männer gelten im Allgemeinen als besonders Schlaganfall-gefährdet, doch tatsächlich sind Frauen öfter betroffen. Allerdings trifft es sie meist erst im höheren Alter. Viele sind dann bereits über 75. Doch was löst bei Frauen einen Schlaganfall aus? Haben sie andere Risiken als Männer?
Sterben an Ebola oder an der Armut? Medikamente fehlen – doch zur Katastrophe gehört noch mehr
Der Ruf nach Medikamenten und Impfstoffen gegen Ebola ist richtig, doch die können die Epidemie nicht kurzfristig stoppen. Dazu bedarf es anderer Maßnahmen.
Trittbrettfahrer profitieren von Ebola
Wenn sich eine schwere Infektionskrankheit ausbreitet und es keine zuverlässig wirksame Vorbeugung oder Therapie gibt, schlägt die Stunde der Trittbrettfahrer: Sie bieten zweifelhafte Produkte an. Dies haben wir bereits zur Zeit der Schweinegrippe beschrieben (GPSP 3/2009, S. 9). Aktuell trifft dies auch auf die Ebola-Infektionen zu.
Die Macht von Werbung und Lobbyismus Aggrenox®: Die Geschichte eines überflüssigen Medikaments
Wer einen Schlaganfall überstanden hat, kann mit Medikamenten das Risiko eines erneuten Anfalls senken. Zu den bewährten Wirkstoffen gehört ASS. In den letzten Jahren haben Ärzte allerdings immer häufiger das Konkurrenzprodukt Aggrenox® verschrieben – obwohl es rund vierzig Mal so teuer ist, keine Vorteile bietet und bei langfristiger Anwendung Patienten häufiger schädigt als ASS. Trotzdem dauerte es sehr lange, bis die Kassen das Medikament nicht mehr erstatteten – ein Erfolg der Industrielobby.
Goldspiralen zur Verhütung Vor allem teuer
Goldspiralen zur Empfängnisverhütung sollen – glaubt man den Anbietern – etwas ganz Besonderes sein. Stimmt das?
Wenn die Blase drückt Botox® auch bei überaktiver Blase?
Manchen älteren Erwachsenen quält eine überaktive Blase. Diese Störung lässt sich oft schon mit einer Verhaltenstherapie in den Griff kriegen. Hilft das nicht, kann mit Medikamenten behandelt werden. Abhilfe ermöglichen außerdem Injektionen mit Botulinum-Toxin A (Botox®). Der Wirkstoff ist aus der Anti-Falten-Behandlung bekannt. GPSP beschreibt die Vor- und Nachteile der Maßnahmen.
Kurz und knapp: Softdrinks: Infos über Kalorienbomben
Softdrinks und manche Fruchtsäfte sind durch ihren Zuckergehalt Kalorienbomben – wer weiß das nicht? Aber wie macht man jungen Fans süßer Erfrischungsgetränke klar, was eine Flasche für ihr Körpergewicht bedeutet?
Kurz und knapp: Opioidausweis: Für Schmerzpatienten
Manchen Menschen mit schwer zu ertragenden Tumorschmerzen oder chronischen Schmerzen helfen opioidhaltige Arzneimittel gut (GPSP 2/2012, S. 3). Ärzte können sie nur mit einem besonderen Rezept verordnen – entsprechend der Betäubungsmittelverordnung (BTM).
Kurz und knapp: Multimedikation: Zu viel geschluckt?
Viele Patienten und auch Ärzte meinen, dass jede gesundheitliche Störung mit einem Medikament behandelt werden muss. Die Folge ist, dass insbesondere ältere Menschen oft zu viele Arzneimittel einnehmen. Das Problem: Mit der Zahl der Präparate steigt auch die Möglichkeit von ungünstigen Wechselwirkungen.
Kurz und knapp: Antidepressiva: Spermien schlechter?
Antidepressiva vom SSRI-Typ (SSRI = Selektive Serotonin­wiederaufnahme-Hemmer) haben negative Auswirkungen auf die Sexualität (GPSP 2009/4, S. 6). Wirkstoffe wie Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin können Libido, Erektionsvermögen, Orgasmusfähigkeit und Ejakulation beeinträchtigen.
Buchtipp: Tödliche Medizin und organisiertes Verbrechen Peter Gøtzsche redet Klartext
Peter Gøtzsche begann seine Karriere in der Pharmaindustrie. Acht Jahre arbeitete der Biologe und Chemiker für verschiedene Firmen, zunächst als Pharmavertreter und später in der Forschung. Irgendwann hatte er die Nase voll von all dem Schönreden von Produkten mit geringem Nutzen und von der Unterdrückung unangenehmer Daten.
Quacksalberei gegen Krebs Amygdalin und Laetrile
Sie werden seit Jahrzehnten als alternative Mittel zur Behandlung von Krebs propagiert: Amygdalin und seine Abkömmlinge wie beispielsweise Laetrile. Amygdalin findet sich in Aprikosenkernen, in Bittermandeln und anderen Steinfrüchten. Im Körper kann aus Amygdalin die giftige Blausäure1 freigesetzt werden. Dass diese gezielt nur Krebszellen angreift, ist gefährlicher Unsinn.
Glosse: Der Apotheker als Heilsverstärker
„Das Unternehmen Dr. Willmar Schwabe hat in den über 140 Jahren seines Bestehens eine weltweit führende Position in der Entwicklung und Herstellung pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka) erreicht“, so heißt es auf der Firmenhomepage.1 Und wer eine solche Position hat, der möchte natürlich auch wissen, was den Verkaufserfolg ausmacht – und wie man ihn noch aufpeppen kann. Zumal, und ganz unter uns, die Studienergebnisse zu dem ein oder anderen Schwabe-Produkt nicht unbedingt überzeugend sind2 – die Mittel sich aber trotzdem prima verkaufen.
Nachgefragt: Fatale Lust am Essen
Die Weihnachtstage liegen hinter uns und es ist abzusehen, dass Frauen- und Männerzeitschriften demnächst mit Diätprogrammen aufwarten. Nach dem Motto: Zu viel geschlemmt? Das Frühjahr naht und zugelegte Pfunde lassen sich bald nicht mehr mit weiten Pullis kaschieren. Während manche ihre zusätzlichen ein, zwei Kilo rasch wieder verlieren, verzweifeln andere, weil sie 10 oder 20 Kilo zu viel auf die Waage bringen und alle Versuche abzunehmen scheitern. Wir fragten Anja Hilbert, warum es stark übergewichtigen Menschen so schwerfällt, ihr Gewicht zu verringern.
Windpocken Wie sinnvoll ist die Impfung?
Seit 2004 wird empfohlen, Kinder gegen Windpocken (Varizellen) zu impfen. Meist verläuft die Krankheit harmlos. Dennoch kann die Impfung nützlich sein – insbesondere für bestimmte Personen.
Gute alte Pillen: Metformin – Der Diabetes-Klassiker
Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) behandeln Ärzte fast immer zunächst mit Tabletten, den oralen Antidiabetika. Sie senken den krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel. Doch eigentliches Ziel ist es, Folgeschäden dieser Stoffwechselerkrankung zu verhindern, vor allem Herzinfarkt und Schlaganfall. Metformin schneidet hier überraschend gut ab.
Leserbriefe: Hörsturz
Die Ursachen von Hörsturz sind nicht geklärt, und es gibt keine gesichert wirksame Therapie. Ob ein Produkt „pflanzlich“ ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle – entscheidend ist die Frage, ob es wirksam ist oder nicht. Das gilt auch für Ginkgo und das Markenprodukt Tebonin®.
Leserbriefe: Blutdrucksenker Ramipril
Ramipril ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der sogenannten ACE-Hemmer, die meist bei hohem Blutdruck verordnet werden. Wechselwirkungen von Ramipril mit Kaffee, Milch und anderen Nahrungsmitteln sind nicht bekannt. Mit einer wichtigen Ausnahme: Ramipril kann die Wirkung von Alkohol verstärken und umgekehrt.
Leserbriefe: Passionsblume bei Schlafstörungen?
Extrakte der Passionsblume werden zur Behandlung leichter Schlafstörungen oder Unruhezustände rezeptfrei angeboten – häufig auch in Kombination mit Baldrian, Hopfen und anderen pflanzlichen Stoffen. Die Wirksamkeit der Passionsblume ist wissenschaftlich nicht gut untersucht.
Gepanschtes: Weiterpanschen trotz Verbot
Was passiert eigentlich, wenn vor Nahrungsergänzungsmitteln gewarnt wird, weil sie bei Überprüfungen stark wirkende chemische Bestandteile enthielten, die überhaupt nicht deklariert waren? Verpuffen solche Warnungen, weil Anbieter ihre Panschereien weiterhin ungehindert und ungestraft per Internet über Landesgrenzen hinweg anbieten können (GPSP 6/2014, S. 27)? In einer kleinen Studie wurde jetzt erstmals überprüft, ob solche Produkte weiterhin verkauft werden und verborgene chemische Beimischungen enthalten, obwohl die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelüberwachungsbehörde FDA sogar die Marktrücknahme angeordnet hatte.
Werbung - Aufgepasst! Werbung ohne Namen
Wie schafft es eine Anzeige, für ein Produkt zu werben, ohne dessen Namen zu erwähnen? Sie wirbt für eine Krankheit! In der Fachsprache heißt der Trick „Disease Awareness“ (auf-eine-Krankheit-aufmerksam-machen). Diese Methode wird gerne bei rezeptpflichtigen Medikamenten genutzt, denn für die darf laut Gesetz in der Öffentlichkeit nicht geworben werden. Die Anzeige des Pharmaunternehmens Lilly macht auf Erektionsstörungen und Vergrößerung der Prostata aufmerksam. Für beide Probleme hat Lilly das verschreibungspflichtige Tadalafil (Cialis®) im Angebot.