Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2015 / 02 S. 11

Aufgespießt:

Moringa: Der indische Wunderbaum

Anbieter: Diverse Online-Anbieter, zum Beispiel Sanleaf Europe GmbH (www.moringa-europe.com). Kosten ohne Versand: Blätter 100 Gramm 9,95 €, Samen 50 Gramm 14,95 € , Öl 100 ml 19,95 €

Was ist Moringa? Moringa oleifera ist ein Baum, der ursprünglich aus Indien stammt. Er wird heute in vielen tropischen und subtropischen Regionen angebaut. Gängige Bezeichnungen sind Meerrettichbaum, was auf den scharfen Geschmack seiner Wurzeln hinweist, oder im Englischen Drumstick Tree (Trommelstockbaum) aufgrund der länglichen Form seiner Früchte. Moringa ist in manchen Regionen eine Nahrungspflanze: Die Blätter sind essbar und aus den Samen lässt sich Speiseöl herstellen. Moringa wird auch als „Wunderbaum“ bezeichnet. Dieser Begriff führt leicht zur Verwechslung mit dem ebenso bezeichneten Rizinus

Was wird versprochen? Moringa biete ein „einzigartig umfassendes Nährstoffspektrum, wie bisher keine andere Pflanze auf der Erde“. Deshalb sei die Wirkung schon „den Gelehrten der ,Ayurveda‘“ bekannt gewesen. Auf diese umstrittene indische Heiltradition bezieht sich auch die lange Liste der Anwendungsmöglichkeiten: „Die Ayurveda setzt(e) Moringa Blätter bzw. Blattpulver bei folgenden Krankheiten ein …“ Es folgt eine lange Liste: Asthma, Diabetes, Lebererkrankungen, Nachtblindheit, Rheuma, Tuberkulose, Unfruchtbarkeit und vieles mehr. Das Öl äußerlich bei Arthrose, Falten, Gicht, Rheuma u.a. Zudem gelte Moringa als „die nährstoffreichste Pflanze auf unserem Planeten“. Die Nährstoffe seien „von Natur aus richtig zusammengefügt“ und deshalb die „optimale… Nahrungsergänzung“.

Was ist belegt? In Deutschland gibt es keine Medikamente mit Moringa als Inhaltsstoff. Bisher wurden zur Wirksamkeit auch kaum wissenschaftliche Studien mit Menschen durchgeführt. Für die Verwendung bei Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen wurde kürzlich die Sachlage bewertet.2 Das Resultat: Die wenigen Studien sind von schlechter Qualität und lassen keine Aussage zu, ob eine medizinische Anwendung sinnvoll wäre.

Was sagt GPSP? Im Internet finden sich die abenteuerlichsten Behauptungen, bei welchen Krankheiten Moringa angewendet werden kann. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Pflanze ist als Mittel bei Diabetes oder einem erhöhten Cholesterinwert nicht zugelassen. Falls eine medizinische Behandlung notwendig ist, empfehlen wir wirksame und von den Arzneimittelbehörden zugelassene Behandlungen.

Als Nahrungsergänzung ist Moringa ebenfalls überflüssig. Die Werbeaussagen über einen hohen Gehalt an Mineralien, Vitaminen oder anderen Nährstoffen sind für uns deshalb bedeutungslos. Wer sich normal ernährt, erhält alle diese Nährstoffe automatisch und schont den Geldbeutel.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat bisher auch keine Aussagen über einen gesundheitlichen Nutzen von Moringa als Nahrungsergänzungsmittel genehmigt. Deshalb dürfen Moringa-Produkte nicht mit derartigen Behauptungen beworben werden. Werbeaussagen über einen hohen Gehalt an Antioxidanzien müssen sowieso nicht beeindrucken: Dass Antioxidanzien überhaupt einen gesundheitlichen Nutzen haben, ist nicht belegt.3


Quellen
1    Alle Zitate von www.moringa-europe.com/moringa-oleifera-wirkung/ (Abruf 22.1.2015)
2    Mbikay M (2012) Front Pharmacol.; 3, S. 24
3    siehe GPSP 1/2009, S. 3; GPSP 1/2013, S. 12

Hier finden Sie weitere Artikel zu verwandten Themen:

GEPANSCHTES

Gepanschtes-Button-B272px

Heft-Archiv


Titelbild dieser Ausgabe


Geschenk-Abo

GPSP_Geschenk-Abo_2015-300px

Spenden

Unsere Informationen gefallen Ihnen?
SpendenWenn Sie Gute Pillen – Schlechte Pillen mit einer Spende unterstützen, hilft uns das, unabhängig und werbefrei zu sein. GPSP ist gemeinnützig. Spenden sind steuerlich absetzbar: Spendenportal.de