Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2014 / 05 S. 17

Aufgefrischt:

Rezeptfreie Aknemittel

Nicht immer gut verträglich

Häufig eingesetzte Aknemittel wie Benzoylperoxid oder Salizylate, die äußerlich aufgetragen werden, reizen oft die Haut. Sie beginnt zu brennen, kann sich röten oder sogar schuppen. Wer eine empfindliche Haut hat, leidet darunter besonders und sollte ein Präparat vorziehen, dass niedriger dosiert ist. Schwere und potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen und schwere Reizungen sind zum Glück sehr selten.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) warnte kürzlich vor derartigen schweren unerwünschten Wirkungen. Sie überblickt 131 solcher Berichte, die meisten wurden ab 2012 erfasst.

Es kam demnach zu Atemstörungen, Ohnmachtsgefühlen oder zu Schwellungen im Gesicht, etwa im Augenbereich, auf Lippen oder Zunge. Bei jedem Zweiten traten diese innerhalb von Minuten bis 24 Stunden nach dem Auftragen auf. Dabei bleibt unklar, ob es sich um Überempfindlichkeitsreaktionen auf die aktiven oder auf die inaktiven Bestandteile (Hilfsstoffe) handelt.

Die FDA rät, bei Anzeichen einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion das Präparat sofort abzusetzen. Und wer zum ersten Mal ein äußerliches Aknemittel aufträgt, sollte es vorsichtshalber drei Tage lang nur auf ein oder zwei kleinen Hautbereichen testen. Bei guter Verträglichkeit kann dann ab dem vierten Tag der gesamte vorgesehene Bereich behandelt werden.1,2

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieht auf der Grundlage der hierzulande vorliegenden Daten „derzeit keinen akuten Handlungsbedarf“.3 Allerdings gibt es auch in der Nebenwirkungsdatenbank des BfArM seit 1995 mindestens acht Berichte zu schweren Überempfindlichkeitsreaktionen nach Gebrauch rezeptfreier äußerlicher Aknemittel mit Benzoylperoxid oder Salizylsäure.2

Den Anbietern der Aknemittel mangelt es bislang an Problembewusstsein. In Beipackzetteln fehlen notwendige Hinweise zu den potenziell schweren unerwünschten Wirkungen.2 Es ist davon auszugehen, dass viele – auch schwere – unerwünschte Wirkungen den Behörden gar nicht gemeldet werden.

Akne
GPSP 4/2014, S. 4

Hilfsstoffe
Stoffe, mit denen z.B. die Grundlagen von Cremes oder Salben hergestellt werden, aber auch Farbstoffe oder Konservierungsmittel.


Quellen
1    FDA (2014) Drug Safety Communications, 25. Juni www.a-turl.de/?k=airi
2    arznei-telegramm® (2014) 45, S. 72
3    BfArM (2014) Schreiben vom 1. Juli


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