Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2012 / 05 S. 06b

Aufgefrischt:

Blei in Ayurveda-Produkten

Die Ayurveda (übersetzt: „Lebenswissenschaft“)-Heilkunde ist die wohl älteste traditionelle Behandlungsstrategie der Welt. Sie ist eng mit Kultur und Religion Indiens verbunden. Sie gilt als sanfte Medizin. Aber: GPSP musste schon vor Schwermetallbelastungen in importierten Ayurveda-Heilmitteln warnen (GPSP 5/2008, S. 8).1 Jetzt schlagen New Yorker Wissenschaftler Alarm.

Bereits aus früheren Untersuchungen 2004 und 2008 ging hervor, dass jedes fünfte untersuchte Ayurveda-Präparat aus indischer oder amerikanischer Produktion Blei oder andere Schwermetalle enthielt. In den USA wird empfohlen, bei Schwangeren mit erhöhtem Risiko für eine Schwermetallbelastung routinemäßig das Blut auf Schwermetalle zu untersuchen (dazu zählen Frauen, die vor kurzem eingewandert sind oder traditionelle Heilmittel nutzen). Daraufhin wurden alleine in New York seit Beginn vergangenen Jahres sechs Schwangere mit bedenklichen Schwermetallkonzentrationen im Blut entdeckt. Alle sechs Frauen hatten Ayurveda-Produkte eingenommen, die aus Indien stammten. Unter anderem wollten sie damit ihre Fruchtbarkeit verbessern oder dafür sorgen, dass sich ihr Kind gesund entwickelt. Das Gegenteil dürfte der Fall sein: So können Blei-belastete Produkte den Blutdruck erhöhen oder eine Fehlgeburt begünstigen. Zwei der sechs Frauen erlitten vor der 20. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt.2

Die Gesundheitsbehörde von New York hat in den vergangenen acht Jahren 22 Ayurveda-Produkte und sonstige traditionelle Heilmittel aus Asien (GPSP 2/2005, S. 4) aufgespürt, die zum Teil extreme Mengen Schwermetalle enthielten: bis 4,7% Blei oder bis 10% Quecksilber und beim Halbmetall Arsen bis zu 5,2%.2 Solche Verunreinigungen beruhen auf der besonderen Herstellung einer bestimmten Gruppe von Ayurveda-Präparaten. Die Rasa-shastra- Methode verwendet verschiedene Metalle und Mineralien. Angeblich soll die Herstellungsmethode der Rasa-shastra-Präparate negative ungewünschte Wirkungen der Metalle beseitigen.3 Hierfür gibt es weder Belege noch ist dies wissenschaftlich nachvollziehbar.4

Die Produkte sind ein Risiko – in den USA und auch bei uns. Da es sich bei Ayurveda-Mitteln nicht um hierzulande zugelassene Arzneimittel handelt, sondern um so genannte Nahrungsergänzungsmittel, fehlen systematische Kontrollen, die die Sicherheit der importierten Produkte gewährleisten. Auch Wirksamkeitsnachweise, wie sie heute für moderne Arzneimittel Standard sind, existieren für traditionelle Arzneimittel aus Indien ebenso wenig wie für traditionell in Europa verwendete alte Heilmittel.

Quellen:
1 z.B. arznei-telegramm (2005) 36 S. 14; Saper RB
u.a. (2004) JAMA 292, S. 2868-873; Saper RB u.a.
(2008) JAMA 300, S. 915
2 Centers for Disease Control and Prevention (2012)
MMWR Weekly 61 (Nr. 33), S. 641
3 Stapelfeldt E (2006) Metalle in Ayurveda.
Ayurveda-Journal
4 arznei-telegramm (2012) 43, S.78



Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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