Gute Pillen – Schlechte Pillen: 2014 / 04 S. 25

Aluminium in Deos

Riskanter Schweißkiller?

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Brustkrebs durch Deos? Diese Frage hat in den letzten Monaten viele Menschen bewegt. Eine Fernsehreportage unter dem Titel „Die Akte Aluminium“ machte das Metall nicht nur als Verursacher von Brustkrebs, sondern auch für die Entstehung von Demenz verantwortlich.1 Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat geprüft, was an diesen Behaup­tun­gen dran ist.2 Auch wenn kein Anlass zur Panik besteht – zurück bleibt nach wie vor ­Unsicherheit.

Aluminiumhaltige Salze finden sich in vielen Deos – egal ob Roller, Spray oder Stift. Aluminium drosselt die Schweißbildung, indem es die Schweißporen enger macht oder vorübergehend ganz verschließt. Inhaltsstoffe mit Namen wie Aluminiumhydroxychlorid3 ziehen die Haut zusammen (sie adstringieren), zudem verbinden sie sich mit Eiweißpartikeln zu winzigen Klümpchen, die dann Schweißporen verstopfen.

Die Vorwürfe

Kann das Aluminium im Deo Krebs auslösen? Der Journalist Bert Ehgartner stellt in seiner Reportage eine Frau vor, die an Brustkrebs erkrankt ist. Im Raum steht die Aussage, das Deo sei schuld am Krebs. Als Beleg wird auf Untersuchungen verwiesen, die zeigen: Im Brustgewebe von Frauen mit Brustkrebs findet sich häufig ein erhöhter Aluminiumgehalt, und zwar in der äußeren Brustregion, die der Achsel am nächsten ist. Ob das aber ein Zeichen ist, dass Aluminium in Deos der Auslöser für den Krebs ist, darüber sind sich die Wissenschaftler seit langem uneins. Es könnte ebenso gut umgekehrt sein, dass Krebs selbst der Grund für die Ansammlung von Aluminium im Gewebe ist.2

Genauso unbewiesen ist die Behauptung, Aluminium würde die Alzheimer-Demenz auslösen. Anlass für diesen Verdacht ist die Tatsache, dass Wissenschaftler bei manchen Demenz-Patienten in bestimmten Bereichen des Gehirns einen erhöhten Aluminiumgehalt gefunden haben. Dieselbe Frage wie beim Brustkrebs: Löst also Aluminium die Demenz aus, oder ist nicht umgekehrt die Aluminiumansammlung Folge der Krankheit? Die These vom Aluminium als Auslöser konnte in umfangreichen Untersuchungen nicht bestätigt werden.2

Aber doch nicht ganz unschuldig

Die Darstellungen in „Die Akte Aluminium“ dürften also überzogen sein. Entwarnung kann allerdings auch nicht gegeben werden. Es ist unbestritten, dass größere Mengen Aluminium das Nervensystem, das Knochenmark und die Knochen schädigen können. Das weiß man aus früheren Zeiten von Dialyse-Patienten, die mit einer stark aluminiumhaltigen Lösung dialysiert wurden und bei denen sich Aluminium im Körper anreicherte. Diese Aluminiumvergiftung kann man heute vermeiden– aber sie zeigt die mögliche Gefahr durch zu viel Aluminium.

Schwierige Grenzwerte

Auch mit der Nahrung nehmen wir Aluminium auf. Es ist von Natur aus im Boden vorhanden und findet sich deshalb in Pflanzen und im Trinkwasser. Damit es uns nicht schaden kann, gibt es gesetzliche Grenzwerte für die Nahrung. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat festgelegt, dass wöchentlich ein Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht tolerierbar ist. Womöglich sind auch zwei Milligramm pro Kilo Körpergewicht pro Woche kein Problem, stellt eine Kommission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fest. Dass Grenzwerte zum Teil auseinanderklaffen, ist nicht ungewöhnlich, da sie auf Tierversuchen basieren und ihre Übertragbarkeit auf Menschen unsicher ist. Prinzipiell wird bei solchen Angaben ein Sicherheitsfaktor von 100 zu Grunde gelegt: Man bestimmt im Tierversuch die Dosis, bei der gerade noch eine (unerwünschte) Wirkung beobachtet wird, und teilt diese dann durch 100.

Was das nun für ein Deo bedeutet, ist schwer zu sagen, denn bislang fehlt eine wesentliche Information: Wie viel Aluminium nimmt der Körper auf, wenn man ein Deo benutzt? Die bisherigen Untersuchungen, vor allem Tierversuche und nur eine einzige Studie mit Menschen, liefern hierzu keine klaren Aussagen. Das ist auch nicht verwunderlich: Je dicker man ein Deo aufträgt, desto mehr Aluminium gelangt auf die Haut. Die Menge hängt auch vom einzelnen Produkt ab. Und selbst durch kleine Verletzungen der Haut, etwa direkt nach der Rasur, gelangt mehr Aluminium in den Körper.
Deo – Was ist drin?

Deos sollen die Bildung von Schweißgeruch verhindern. Der Geruch entsteht, wenn Bakterien auf der Haut den Schweiß zersetzen. Man riecht also nicht den Schweiß, sondern die Zersetzungsprodukte. Deos können auf unterschiedliche Weise die Geruchsbildung bremsen:

  • Antitranspirantien vermindern das Schwitzen. Wirkstoffe sind aluminiumhaltige Substanzen, die vorübergehend die Schweißporen verstopfen.
  • Deodorantien bremsen die Geruchsentwicklung, indem Parfümstoffe und ätherische Öle den Schweißgeruch überlagern.
Unklare Folgen

Aluminium aus der Nahrung und aus Deos summieren sich. Die Experten des BfR gehen davon aus, dass der ursprünglich nur auf Nahrung bezogene Grenzwert somit überschritten wird. Ob das langfristig unsere Gesundheit schädigen könnte, ist aber nach heutigem Wissensstand unklar. Messungen der Stiftung Warentest4 haben kürzlich ergeben, dass die Aluminiummenge in den geprüften Deosprays deutlich niedriger ist als es das BfR in seiner Bewertung zugrunde gelegt hat.5

© Schlierner/ fotolia.com

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun? Auch wenn ein Risiko durch die bisher vorliegenden Daten nicht belegt ist, kann man auf Nummer sicher gehen und die aufgenommene Aluminiummenge begrenzen.

Unsere Tipps:

  • Deo nicht unmittelbar nach einer Rasur auftragen – denn über die gereizte Haut gelangt vermutlich mehr Aluminium in den Körper.
  • Aluminiumfreie Deos verwenden. Hier hilft eine genaue Lektüre der Inhaltsstoffe. Solche Deos wirken desodorierend, also geruchshemmend, aber reduzieren nicht die Schweißproduktion. Achtung: Auch als „natürlich“ deklarierte Deos können Aluminium enthalten.

Und – ehrlich gesagt – brauchen wir wirklich Deos, die angeblich 48 Stunden oder gar 72 Stunden wirken sollen?

Schlussendlich sind aber auch die deutschen und europäischen Behörden gefordert. Vorbeugender Verbraucherschutz sollte ein Grundprinzip sein. Deshalb ist es sinnvoll, generell den Aluminiumgehalt in Kosmetik zu begrenzen. Bisher gibt es Obergrenzen nur für bestimmte Aluminiumverbindungen. Für den aktuell häufigsten Wirkstoff in Antitranspirantien, das Aluminiumchlorohydrat, fehlt eine Regulierung. Und die Risiken müssen geklärt werden: Wenn wie im vorliegenden Fall die Forschungsergebnisse nicht eindeutig sind, bedarf es weiterer Studien – und zwar unabhängig von den Kosmetikherstellern, die bekanntlich ein starkes Verkaufs­interesse haben.


Quellen
1    Bert Ehgartner „Die Akte Aluminium“ (Buch 2012, Film 2013) www.dieaktealuminium.com
2    BfR (2014) Aluminiumhaltige Antitranspirantien tragen zur Aufnahme von Aluminium bei. Stellungnahme Nr. 007/2014 des BfR vom 26. Februar 2014 www.bfr.bund.de/cm/343/aluminiumhaltige-antitranspirantien-tragen-zur-aufnahme-von-aluminium-bei.pdf
3    Andere Bezeichnungen: Aluminiumchlorohydrat, Aluminiumchlorhydrat
4    Stiftung Warentest (2014) Risiko aus der Dose? Heft 6/2014
5    Das BfR geht von 20% Aluminiumchlorohydrat in Deos aus. Stiftung Warentest ermittelte einen Höchstwert von 7,4%.

Der Stand der Informationen entspricht dem Erscheinungsdatum des Hefts.

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